kleiner Ausblick - frei von der Leber geschrieben - also nicht alles so Ernst nehmen bitte - Grundtenor ist aber klar :)
insgesamt: ja, Kosten im Gesundheitssystem/Health Care Business werden weiter steigen. Ja, man wird weiter Dinge ändern, neue Ideen umsetzen, vor- und zurückrudern, aber seien wir ehrlich, Geld sparen möchte niemand. Wieso sollte ein Staat, in dem deutlich über 1 Mrd, also über 1000 Millionen Euro am Tag alleine im Gesundheitswesen umgesetzt werden, dies ausbremsen. Der Rubel muss rollen, 100 Millionen Euro Umsatz weniger am Tag z.B. kann sich kein Staat leisten. Also, es geht nicht um Sparen, aber optimal verteilen wäre schon ein großer Erfolg. Die wirklich heißen Eisen wird weiterhin niemand angehen wie z.B. das Problem der Einteilung in "Privatversicherte" und "Gesetzlich Versicherte", sprich endlich die verdammte Zwei-Klassen-Medizin abzuschaffen. Man scheint auch an an der Anzahl der fast 100 Gesetzlichen Krankenversicherungen und der ca. 100 Privaten Krankenversicherungen festzuhalten, die jede für sich eigene Regeln aufstellt, eigene Apps entwickelt usw. Vorsorge wird weiterhin lukrativer sein, als kranke Patienten zu behandeln. Niedrigrisikopatienten wiederholt zu kontrollieren weiterhin lukrativer als Platz für Unterversorgte zu schaffen. Die meisten Praxen, wie auch wir, versuchen den Spagat. Wir werden weiterhin viel Zeit mit den Abrechnungen verbringen und schauen, dass wir mit Husten, Schnupfen Heiserkeit und Karteneinlesen gut verdienen (sehr sehr gutes Geld für wenig Arbeit), um ausreichend Zeit für die Schwerkranken zu haben (völlig unterbezahlt) = es ist eine Mischkalkulation, unter dem Strich verdienen wir Hausärzte noch sehr gut. Semi-Gesunde Menschen schnell zu bespaßen wird also weiterhin lukrativer sein, als sich um die zu kümmern, für die wir zu wenig Zeit und Gehirnschmalz haben. Oberflächlich zu arbeiten ist weiterhin lukrativer als gründlich zu arbeiten, häufig fehlt auch die Zeit für Gründlichkeit. Und Schnell-Schnell-und-Weg-Überweisen lohnt sich weiterhin. Und es geht natürlich um sehr viel Geld, und sowas lockt an: Online-Anbieter und große Firmen, Discounter usw. werden zunehmen versuchen die akuten Leichterkrankten und Menschen mit kleinen Befindlichkeitsstörungen, AU-Wünschen abzufischen, ggf. auf Vitamin-Gedöns zu untersuchen, um dann gleich das entsprechende Präparat um die Ecke anbieten zu können usw. Aber bei körperlich und seelisch Schwerkranken wird man weiter auf die Hausarztpraxis oder in die nächste Notaufnahme verweisen.
unsere Praxis: wir geben weiterhin unser Bestes. Meistens zumindest. Machen auch Fehler, sind Menschen, und haben hoffentlich Freude an der Arbeit trotz der bekannten Widrigkeiten. Und wir sind natürlich weiterhin eine monogame Hausarztpraxis. Wer z.B. für die PPWAU (Post-Party-Wochenende-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) userfreundliche online-Anbieter nutzt, darf sich gerne im Status "medical-polyamorous" nennen; darf sich dann aber auch gleich eine neue Praxis suchen.
Für Blaue Bogen-Patienten (haben der ePA widersprochen) und Privatpatienten: 2026 geht es wie bekannt weiter.
für ePA-Patienten (die, die der elektronischen Patientenakte nicht widersprochen haben) ändert sich einiges: erst einmal: bitte rasch die ePA-App Ihrer Krankenkasse installieren! Fragen Sie ggf. Ihre Familienangehörige. Sitzen Sie es bitte nicht aus, es wird Ihnen sonst auf die Füße fallen. Sie sollten auf jeden Fall mit der ePA umgehen können. Bei Facharztbesuchen dann darauf hoffen, dass die Kolleginnen und Kollegen in der ePA die nötige Datei raussuchen, wenn denn eine vorhanden ist - und die Leitungen schnell genug sind zu Stoßzeiten. Für Notfälle empfehle ich entweder, den Medikationsplan etc. auf dem Smartphone griffbereit zu haben, oder den Medikationsplan usw. selbst auszudrucken. Denn fast die ganzen Notfallstrukturen der Region haben bis dato keinen Zugriff auf die elektronische Patientenakte. Aber online und auf Papier? Also doppelt gemoppelt - wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Es gibt auch Änderung beim hausärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) ab Januar 2026: den machen wir nicht mehr in unseren Praxen, wie vorher, sondern zentral in Bremervörde im Krankenhaus. Dort wird es dann die hausärztliche Notfallversorgung geben, aber leider ohne Ultraschall-Möglichkeit und ohne Zugriff auf das Internet - also auch kein Zugriff auf die ePA sowie kein Zugriff auf Sämtliches, was mit der Telematik Infrastruktur zu tun hat. Ich freu mich sogar ein bisschen auf noch mehr Barfußmedizin, erinnert mich an meine Zeit im low-income-country-Ausland, wobei in Lambarene z.B. ich durchaus Zugriff auf das Ultraschallgerät hatte. Ob die Zentralisierung aktuell aber a) die Notaufnahme entlastet und b) den Patienten zugute kommt, bezweifele ich im Moment. Häufig konnte ich bei unklarem Bauch oder Sorge einer Thrombose mit dem Ultraschall Ruhe in die Sache bringen. Die Zeiten sind jetzt vorbei, dann muss ich im hausärztlichen Bereitschaftsdienst in die Notaufnahme schicken und hoffe dann, dass da jemand gerade Dienst hat, der gut im Ultraschall ist und auch Zeit für die Untersuchung hat bei dem Trubel, der dort los ist. Und wenn Patienten wiederholt erst beim Bereitschaftsdienst waren um dann noch mal in der Notaufnahme zu warten, wer weiß, vielleicht laufen sie beim nächsten Mal gleich dorthin. Nicht ganz im Sinne des Erfinders :)
hausärztliche Versorgung in der Samtgemeinde: das läuft!
Auch sehr rosige Aussichten für 2026!
Unterm Strich wird's medizinisch gesehen für viele Menschen in der Samtgemeinde Tarmstedt also besser! Munter bleiben! :)
