Karma regelt das schon

Nachtrag: Danke für die netten Kommentare in Praxis, Privat und auch online. Besonders gefreut hat uns die positive Rückmeldung von externen MFAs, die sagten, dass ihnen aus der Seele gesprochen wird. Sie scheinen Ähnliches, teilweise deutlich Dramatischeres in ihren Praxen und online zu erleben. Neben üblen Einzelfällen tut jedes nette Wort tut gut. Manchmal sollte man sich einen Ruck geben und bei besonders netter Versorgung z.B. im Kindergarten oder im Pflegeheim nicht nur der Person direkt danken, sondern vielleicht auch mal dem Arbeitgeber einen lobenden Brief schicken. Das kann auch verzehrte Wahrnehmungen korrigieren. Insgesamt ist die Situation mit dem online-bashing ja nicht auf den Gesundheitssektor beschränkt. Um heutzutage z.B. Polizist*in, Journalist*in oder Politiker*in zu werden, braucht es sicherlich ein noch dickeres Fell. Lehrerinnen und Lehrer stehen stets in der Schusslinie. Auch hier tut Lob gut. Es ist wichtig, dass Menschen sich weiterhin für verantwortungsvolle und gesellschaftsprägende Berufe entscheiden, bei denen man unter ständiger Beobachtung und Bewertung steht. Dies schafft man u.a. durch Anerkennung. 

 

Also mit gutem Beispiel voran. Bei fast jedem Wort mit Doppel-Vokal, das ich schreibe, denke ich an meine Grundschullehrerin Frau Flasbarth, die uns ALLE beigebracht hat. Dass ich noch 50 griechische Götter aus dem Ärmel schütteln kann, hab ich Harry Zoch zu verdanken. Und dass mir mein Physikum leichter fiel als einigen Kommilitonen, liegt an meinem Biolehrer Herrn Dr. Köhler. Kritisches Denken und ggf. Klappe weit aufreißen? U.a. Danke an Herrn Hartmann und an Herrn Tietze. Und dass ich mal vom Stuhl aufstehe, bewusst atme und mich strecke zur Entspannung oder mir Farben ganz bewusst ansehe, verdanke ich Frau Meyer-Thiesfeld. :)

 

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Wussten Sie, dass es nicht nur schwierig ist, Ärztinnen und Ärzte auf dem Land zu finden, sondern auch gute Medizinische Fachangestellte eine immer seltener gesehene Spezies sind? Ich bin dankbar und froh, fleißige und mitdenkende MFAs zu haben, die diese Praxis am Laufen halten. Um 04:44 h in der Früh ging mein Arbeitstag los. Es ist beim Schreiben des Posts kurz nach 9 Uhr abends, die letzten Anrufe werden getätigt, ein paar wichtige E-Mails beantwortet. Meine Kinder sind bereits im Bett. Es liegt noch Arbeit für ein paar Stunden auf dem Schreibtisch, aber ich werde gleich die Segel streichen, damit ich noch den Rest der Woche durchhalte.

 

Meine Mitarbeiterinnen haben Großartiges geleistet heute! Die Montage sind normalerweise eh recht voll. Diese Woche sind wir die einzige Praxis in der Samtgemeinde, die offen hat und wir vertreten gerne unsere Kolleginnen und Kollegen. Denn auch die haben Recht auf Erholung. Wir haben heute Patient*innen von mindestens 6 verschiedenen Ärztinnen und Ärzten versorgt. Eine Mitarbeiterin ist z.B. seit heute früh dabei und blieb bis spät nach Dienstschluss vor Ort, um Ordnung zu schaffen. Sie ist heute nach akuter Krankheit rasch wieder am Arbeitsplatz erschienen und hätte sich meinetwegen gerne noch etwas schonen können.

 

Und jetzt gegen 20.00 h flattert die Nachricht per E-Mail rein, dass wir mal wieder eine 1 Sternchen-Bewertung auf Google bekommen haben. Mal wieder rückgratlos ohne Klarnamen, aber immerhin wurden die korrekten Initialen genutzt. Ich sage zwar gewöhnlich, dass es mir diese schlechten, häufig anonymen, online-Bewertungen egal sind, aber es stört mich gerade doch. Es ist eine Klatsche am Ende eines harten Arbeitstages und meine Mitarbeiterinnen haben so etwas nicht verdient.

 

Liebe Vertretungspatientin. Ich glaube, Sie haben es einfach nicht verstanden! Sie sehen nur Ihren ganz kleinen Teil, Ihnen fehlt der Überblick. Ich möchte Sie in Zukunft bitten, erst einmal nachzudenken, bevor Sie öffentlich miese Bewertungen herausgeben und damit meine Mitarbeiterinnen beleidigen. Ich hoffe, Sie schaffen es nicht, sie zu demotivieren. Es sind Mitarbeiterinnen, die mit Herzblut dabei sind und immer wieder Vollgas geben und mir den Rücken freihalten, damit ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Ich bewundere meine Mitarbeiterinnen immer wieder, wie sie  da vorne an der Anmeldung hart arbeiten, ohne zusammenzubrechen. Volle Praxis, 1000 Formulare, jeder will was. Die Telefone klingeln so viel, dass ich überlege, sie stumm zu stellen, wenn jemand anruft, und klingeln zu lassen, wenn gerade mal keiner versucht, uns zu erreichen- es wäre deutlich leiser in der Praxis. Die Computer arbeiten zu langsam, was besonders die MFAs trifft, die ständig die Hände auf der Tastatur haben; es liegt aber nicht an den neuen PCs, sondern weil wir mit dysfunktionalen Systemen arbeiten müssen i.R. der de facto gescheiterten Telematik Infrastruktur. An Anmeldung und im Labor drehen die Hamsterräder immer schneller, während ich in meinem recht ruhigen Sprechzimmer sitze und das Telefon nur dann klingelt, wenn meine Mitarbeiterinnen das für dringlich erachten und durchstellen. 

 

Wir geben uns hier alle große Mühe und wären mit weniger Patient*innen sehr zufrieden. Dass wir so viele Menschen versorgen, liegt daran, dass einige uns wirklich brauchen und wir aktuell gerne unsere Kolleginnen und Kollegen und Mitarbeiter*innen der anderen Praxen vertreten. Die meisten Patient*innen, die mehr als eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauchen, die wirklich krank sind, wissen unsere Arbeit auch zu schätzen. Und das freut uns. Sollte es irgendwann aber dazu kommen, dass meine Mitarbeiterinnen demotiviert das Handtuch werfen, da es deutlich ruhigere Arbeitsplätze gibt als den einer MFA, und als  Begründung fehlende Wertschätzung ihres an sich geliebten Berufes angeben wird, dann mache ich diese Praxis zu.

 

Sehr geehrte Vertretungspatientin, auf unserer Homepage habe ich explizit geschrieben, dass es sehr lange Wartezeiten geben wird, da wir die einzige Praxis in der Samtgemeinde sind, die diese Woche offen hat. Wir haben schon genug zu tun, wenn wir nur unsere Patient*innen versorgen. Wir sind eine kleine Praxis, und bei uns kann es dauern  Das kennen unsere Patient*innen, und sie scheinen sich damit abgefunden zu haben. Nur wenige haben mit den Füßen abgestimmt, was in Ordnung ist. Wenn die Praxis in Vertretungssituationen überläuft, dauert es. Basta! Ganz einfache Rechnung. Sie sind Gast hier in der Praxis. Wir sind auf Sie als Vertretungspatientin nicht angewiesen. Wir verzichten gerne auf Ihre Besuche bei uns.  Bitte machen Sie doch ab sofort einen großen Bogen um unsere Praxis. Danke!                An alle anderen:  Munter bleiben!