Viertimpfungen

Nachtrag 31.03.2022: zunehmend wird der Zusatznutzen einer vierten Impfung diskutiert und teilweise die Sinnhaftigkeit hinterfragt. Bitte immer unterscheiden, ob die Diskussion um Risikogruppen, junge Menschen in Pflegeberufen betrifft oder es um einen allgemeine Impfempfehlung geht. Alle Daten liegen mir nicht vor, ich habe schon lange keine Zeit mehr mich in Primärliteratur einzulesen. Die Studie aus Israel, die es in viele Medien geschafft hat und die nur einen geringen Zusatznutzen zeigte wunderte mich, da es hier um Krankenhausmitarbeiter*innen ging.  ,Also gar nicht um die Gruppe, die wir hier aktuell impfen, nämlich Menschen über 70 und Menschen mit immunmodulierender/immunsuppressiver Therapie. Wenn Menschen zunehmend nur Überschriften scrollen, kann ein falscher Eindruck entstehen. Und selbst der Unterschied, der sich in der genannten Studie zeigte war größer als das, was uns z.B. bei vielen neuen Medikamenten als Innovation verkauft wird.

 

An meiner Einschätzung hat sich nichts geändert, sie ist aber auch nicht in Stein gemeißelt. Die Vierte Impfung ist nicht so wichtig wie die erste und zweite Impfung! Ich gehe von einem Zusatznutzen der vierten Impfung für Risikogruppe aus und die Daten zeigen dies auch. Natürlich gibt es auch ein großes Interesse der Pharmaindustrie und somit auch unserer Regierung, dass dieses Made-in-Germany-Produkt in alle Welt verkauft wird. Mal sehen, was wir in 10 Jahren sagen. Spannend werden auch die Omikron-Impfstoffe, die vielleicht Ende des Jahres auf den Markt kommen. Da bin ich skeptisch, vermutlich boostern sich viele eh zwischenzeitlich im Alltag durch Viruskontakt  - niemand weiß, ob dann wieder Delta oder eine neue Variante eine wichtigere Rolle spielen wird.

 

Die manchmal emotional geführten Diskussionen um die vierte Impfung kann ich nur schwer nachvollziehen. Jede/r soll für sich entscheiden, ob eine vierte Impfung gewünscht ist. Ich empfehle sie aktuell weiter, wir telefonieren aber bewusst bei der vierten Impfung nicht Menschen hinterher, wie wir das bei den Erstimpfungen getan haben.

 

Wichtiger ist anderes zu diskutieren, was Arbeit macht und Zeit und Geld kostet, aber den Patient*innen kaum oder keinen Zusatznutzen bringt, gelegentlich sogar gesundheitsgefährdend sein kann: Genannt werden müssen die (Schwein-) IGe-Leistungen, die in den meinsten Fällen keinen Zusatznutzen gezeigt haben, außer zusätzlicher Verdienst für die Anbieter. Unnütze Choleraschutzimpfungen bei Urlausreisen z.B. oder  manchmal veraltete und übertriebene Malariaprophylaxeempfehlungen. Unnötige Pseudo-Borrelioseuntersuchungen oder gar Zecken-Analysen, wie sie Labore gerne anbieten. Selbst diese ganze COVID-19-Antikörpertesterei bei gesunden jungen Menschen - ohne Konsequenz, lenkt uns aber von der Versorgung der Menschen ab. Es gibt einige Untersuchungen wie Ultraschall-Pseudoscreenings, die eher schaden als nutzen. Besonders liebe ich die Labor-Stuhlanalysen auf Pilze und verschiedene Baktierenverhältnisuntersuchungen mit grünen und roten Balken - meist kostspieliger Quatsch.

 

Da halte ich Kaffeesatzleserei wie die Irisdiagnostik und das Auspendeln für die bessere Alternativen, da das Pendeln z.B. auch medidativ, also blutdrucksenkend wirken kann und deutlich klimafreundlicher ist als so manche unnötige Diagnostik.

 

update 13.03.2022

Wir haben am 10.03.2022 mit Viertimopfungen begonnen und setzen die Viertimpfungen am 31.03.2022 fort.

Viertimpfungen - frühestens 3 Monate nach Booster für:

- Menschen ab 70 Jahre 

- Bewohner*innen von Pflegeheimen

- Für Menschen ab 5 Jahre mit Immunmodulation/Immunsuppression (z.B: Antikörpertherapie wie Adalimumab oder Rituximab, unter Tumortherapie)

 

eine Viertimpfung 6 Monate nach Booster wird es auch für Menschen geben, die z.B. in Pflegeheimen arbeiten. Dies spielt aktuell aber nur eine geringe Rolle, da die Booster bei (fast?) allen noch nicht lange her sind und bis dahin sich noch einiges ändern kann und wird.

 

Wir impfen nur Menschen, die hier bekannt sind,

also entweder Patienten dieser Praxis oder Menschen von extern, die hier bereits geimpft wurden.

Anmeldungen ausschließlich via 04283-8801.

Keine Anmeldungen per SMS oder E-Mail.

WIr haben einen Liste für den 31.03.2022 am Telefon liegen.

Kurzer Anruf, Name durchgeben, Anmeldung zum Impfen für den 31. März 2022 und gut ist.

Keine langen Gespräche. Wenn Sie Fragen haben, diese bitte schriftlich an mich schicken, wir rufen dann zurück.

Sobald es weitere Termine gibt, werde ich dies hier schreiben. Wir führen keine Wartelisten für andere Termine, also bitte nicht anrufen und z.B. schon mal für April reservieren. Wir wollen den organisatorischen Aufwand dieses Mal so gering wie möglich halten, um uns vermehrt auf die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten konzentrieren zu können.  

 

Die ersten Bewohner*innen in Pflegeheimen haben wir bereits erneut nachgeboostert. Auch mein Vadder (über 70, Booster über 3 Monate her) hat seine vierte Impfung schon bekommen, als am Ende unseres letzten Impftages im Februar noch einen Dosis übrig war und sonst im Mülleimer gelandet wäre. Inwieweit ein weiterer Booster für junge gesunde Menschen sinnvoll ist bzw. empfohlen wird, bleibt abzuwarten. Aktuell gibt es dafür keine Empfehlung.  Vorrangig wäre weiterhin die Ungeimpften zu impfen, wo

bei der Zug bei uns in der Praxis vermutlich abgefahren ist. 99% der Hochrisikopatienten sind bei uns geimpft. Es gab in den letzten Monaten in unserer Praxis lediglich eine Person mittleren Alters, die bei fehlener Impfung mit dann mäßig schwerem COVID-19-Verlauf per Rettungswagen ins Krankenhaus musste. Die Omikronvariante wird den Großteil der Ungeimpften immunisieren, einen kleinen Teil auch ins Krankenhaus (vielleicht auch ins Grab) bringen. In unserer Praxis gehe ich aber von sehr wenigen Fällen aus, da nahezu alle mit Risikofaktoren geimpft sind. Leider scheint es so zu sein, dass die sog. schmutzige Impfung - also Infektion ohne Impfschutz mit Omikron nicht oder nur sehr schlecht gegen Delta et al. schützt, sodass leider auch die Ungeimpften, die jetzt eine COVID-19 durchgemacht haben, sich im nächsten Herbst z.B. noch einmal mit Delta anstecken können mit den bekannten Risiken auch für schwere Verläufe. Das war für mich die schlechteste Nachricht der letzten Wochen. Insgeheim hoffe ich weiterhin, dass auch eine Omikroninfektion vor schweren Deltaverläufen schützt. Warten wir es ab. 

 

Wir werden uns nach dieser anstregenden Zeit erst einmal sortieren, etwas Energie tanken und dann wieder vermehrt auf andere Probleme als Corona konzentrieren.