Tollwutfall in der Tierklinik Posthausen

Aufgrund der Tollwutexpositionen im Umkreis und unsere zusätzliche Arbeit/Postexpositionsprophylaxen/Telefonate komme ich aktuell mit der alltäglichen Arbeit nicht nach. Die Kassenärztliche Vereinigung in Stade sowie meine Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind informiert.

 

Bitte haben Sie Verständnis, dass Gespräche auf das Wesentliche reduziert werden und Dinge wie Rehaanträge, Befundbesprechungen ohne besondere Dringlichkeit aktuell warten müssen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

 

Die letzte Woche habe ich Konsultationen besonders knapp halten müssen. Leider mussten wir sogar Patientinnen und Patienten absagen und einige sogar trotz Termin wieder nach Hause schicken. Die Arbeit wegen des Tollwutfalls eines vermutlich illegal importieren Welpens, der in der Tierklinik Posthausen gestorben ist, war sehr zeitaufwendig. Insgesamt führen wir hier die die Weiterbetreuung (Folge-Aktivimpfungen) von fast 40 Menschen aus fünf niedersächsischen Landkreisen sowie aus Bremen durch.

 

Das strukturiere Erfassen der Exponierten, die  Risikoeinschätzungen sowie deren Konsequenzen sind natürlich Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und nicht die einer kleinen Hausarztpraxis. Auch am Wochenende habe ich Exponierte gesehen und geimpft, damit die Mitarbeiter*Innen der Tierklinik vor einer Tollwuterkrankung möglichst geschützt werden.

 

Die Menge an Telefonaten mit Gesundheitsämtern, Exponierten u.a. diese Woche war enorm! Wir hoffen, dass die nächste Woche wieder ruhiger wird. Vielen Dank an meine Mitarbeiterinnen, die wieder sehr, sehr fleißig waren,  sowie Danke an unseren Studenten Lennart Lemmermann, der von früh morgens bis spät abends hier unterstützt und erleben kann, wie spannend die Arbeit in einer Hausarztpraxis sein kann.  

 

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Kommentar vom letzten Wochenende:

Am Montag, den 13. September 2021 werden wir neben den COVID-19-Impfungen noch recht viele Tollwut-Postexpositionsprophylaxe (PEP)-Impfungen durchführen. Dies war nicht vorherzusehen und wird unsere Abläufe  durcheinander bringen.  Wir bitte um Geduld. Von langen Wartezeiten ist auszugehen. Bei nicht dringlichen Angelegenheiten bitten wir davon abzusehen, am Montag, besonders Montagnachmittag in die Praxis zu kommen.

 

Durch einen schwerkranken Welpen ist es in einer niedersächsischen Tierklinik zu sog. Tollwutvirus-Risikoexpositionen einiger Mitarbeiter*Innen sowie anderer Menschen gekommen. Im Verlauf habe man erfahren, dass der Welpe illegal importiert worden ist. Bei dem dem inzwischen verstorbenem Welpen wurde eine Tollwut diagnostiziert.

 

Man muss immer wieder darauf hinweisen, dass das heimliche Importieren von Tieren im Urlaub oder bei Heimatbesuchen inakzeptabel ist. Bitte tun sie es nicht! Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Wer Tiere importiert, muss die offiziellen Wege gehen, die aufwendig und nicht gerade preiswert sind. Es gibt viele andere Möglichkeiten Tierliebe zu zeigen.

 

Seit Freitag unterstützen wir die Kolleginnen und Kollegen der Tierklinik. Ab Montag werden wir die Folgeimpfungen vornehmen. Die Klinik hat unsere Praxis beauftragt die weitere Impfungen durchzuführen, da wir die entsprechende Erfahrung haben und am Wochenende die gesamte Zeit erreichbar waren und beraten haben, sowie am Freitagabend noch unbürokratisch Impfstoff aus unserem Vorrat zur Verfügung gestellt haben und die weitere Versorgung mit Impfstoff ab Montag zusagen konnten.

 

Herzlichen Dank auch an die hiesige Apotheke, die unbürokratisch eine große Menge an Impfstoff organisieren konnte. Dies war glücklicherweise möglich, denn beim Tollwutimpfstoff gibt es nicht selten Lieferschwierigkeiten. Hier zeigt sich wieder, dass im Falle eines Falles die kleinen Apotheken viele Vorteile bieten und wir uns für den Erhalt der lokalen kleinen Apotheken einsetzen müssen.

 

Die Bürokratie, Frage der Kostenübernahme in diesem speziellen Fall usw. wird uns vermutlich noch eine Weile beschäftigen. (Nachtrag 17.09.2021: die Kostenübernahme für die große Menge an Tollwutimpfstoff liegt seit heute endlich schriftlich vor, sodass ich nicht auf einem niedrigen fünfstelligen Betrag sitzen bleibe - das beruhigt ungemein!) Das Wohl der exponierten Menschen hat höchste Priorität! Durch die Tollwut-Impfungen können normalweise alle als exponiert erkannten Menschen geschützt werden. Schnelles und gründliches Handeln ist essenziell, da im Falle einer Virusübertragung bei ausbleibender Impfung die Tollwut-Erkrankung zu 99,9% der Fälle tödlich verläuft. 

 

Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass von den exponierten Mitarbeiter*innen absolut keine Gefahr ausgeht, weder für andere Patient*Innen unserer Praxis noch für meine Mitarbeiter*innen.

 

Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Geduld.