Impfdurchbrüche, sog. Soziale Medien, Praktikum

Impfdurchbrüche: Es wird einige Impfdurchbrüche in diesem Herbst und Winter geben. Dies war zu erwarten und schmälert nicht die Sinnhaftigkeit der Impfung. Wenn der Motorradhelm einen Knacks beim Unfall bekommt und dann der Schädel dröhnt, war er ja auch nicht sinnlos. Nicht erwartet hatte ich die so deutliche Zunahme der Ansteckung durch die sog. Deltavariante. Durch dieses erhöhte Ansteckungsrisiko und vermehrte Kontakte unter den Menschen wird die Zahl der Positiven steigen, auch unter den Geimpften. Die Impfdurchbrüche werden in der Regel leicht verlaufen, führen aber auch zu einer Isolation der Positiven. Nichtgeimpfte Kontaktpersonen werden in Quarantänte gehen müssen, einige sicherlich mehrmals . Dies wird für Emotionen sorgen in Praxen, Familien und am Arbeitsplatz. 

 

Was kann dies für die medizinische Versorgung bedeuten? Sollte es gehäuft zu Impf-Durchbrüchen bei Pflegepersonal, MFAs und Ärztinnen und Ärzten kommen, so fallen diese für die Versorgung für einen Zeitraum aus. Der sog. Kollateralschaden kann damit steigen durch fehlendes Personal und somit schlechtere Versorgung. Patient*Innen sind die Leidtragenden, aber auch das Personal, welches ein weiteres Loch zu stopfen hat. An vielen Orten wird seit langem auf Kante genäht. Jede zusätzliche Kraft die fehlt, kann Praxen, Pflegedienste und Krankenhausabteilungen hart treffen. Dies kann für die Region ein Problem werden, welches viele Menschen nicht wahrnehmen, da sich die Gesamtlage im ambulanten und stationären Sektor im letzten Jahr auch hier verschlechtert hat. Mögen wir auch davon verschont bleiben, dass z.B. zwei Praxen gleichzeitig schließen müssen. Ich werde bei steigenden Zahlen wieder vermehrt auf Abstand und Kontaktreduktion achten, um die Wahrscheinlichkeit zu reduzieren, zwei Wochen auszufallen. Ich bin gespannt, ob man gezwungen sein wird die Regelungen erneut anzupassen, falls z.B. eine Abteilung droht zusammenzubrechen. Insgesamt stehen wir hier auf dem Land mit unserer hohen Impfquote aber rechtgut da. Das Virus hat weniger Chancen sich auszubreiten, da Impfdurchbrüche nicht die Regel, sondern die Ausnahme sind.

 

sog. Soziale Medien: Die Impfgegner sind gut organisiert und in den Sozialen Medien sehr aktiv. Es wird um die Wette der Daumen nach unten gehalten und man versucht Menschen zu diskreditieren. Ein Klick auf die sog. Hater spricht oft Bände. Ich hoffe, dass niemand  verunsichert ist durch die teils krassen Kommentare unter dem Impf-Video, welches das Bundesminsterium für Gesundheit mit mir gedreht hat. Zum Glück hat das BMG die Kommentierfunktion bei Youtube deaktiviert, da dort die Kommentare meist am heftigsten sind. Wobei ich mich frage, ob man Mengele-Vergleiche, die man auf Facebook gestellt hat, wirklich noch toppen kann. Denken Sie daran, die Impfgegner sind nicht so stark vertreten, wie man denkt, wenn man sich auf Twitter, Facebook oder Youtube umschaut. Menschen, besonders die unsicheren, können aber durch die unverhältnismäßig große Menge an negativen Kommentaren stark beeinflusst werden. Es erinnert an das Konformitätsexperiment von Asch mit den unterschiedlich langen Strichen. Falls Sie sich doch fragen, ob ich für das Impf-Video bezahlt wurde, wenigstens ein klitzekleines bisschen: Nein, ich habe weder Geld erhalten noch Posten in Aufsichtsräten von Big-Pharma angeboten bekommen. Aber inoffiziell sind doch ein paar Naturalien übergeben worden. Nur in die andere Richtung. Nämlich nach dem Dreh von mir an den sympathischen Kameramann aus Berlin, der im Auftrag des BMG nach Tarmstedt gekommen ist. Für die Rückfahrt erhielt er - wie üblich, wenn ich Besuch bekomme - von mir eine Flasche Bier aus dem Hause Sass, eine legendär-leckere Tomate von Michaelis aus Bülstedt sowie ein Glas selbstgemachte Erdbeerkonfitüre fka -marmelade aus Erdbeeren, die die drei Impfhelfer von der Charité Lisa, Frieda und Pinkus am letzten Tag ihres Tarmstedt-Aufenthaltes in Bülstedt gepflückt hatten. Also nein, ich habe weder Kohle von Minister Jens Spahn noch von einem Pharmaunternehmen erhalten, wie mir mehrfach unterstellt wurde. Wer mich und die Praxis kennt weiß, dass ich weder Pharma-Kugelschreiber annehme, noch Pharmareferenten in der Praxis empfange, weder Vorträge für Firmen halte noch an sog. Beobachtungsstudien teilnehme, die de facto in den meisten Fällen einem versteckten Bestechungsversuch gleichkommen. Was stand da noch so alles zwischen den ganzen Beleidigungen....   Ah ja, es gab keinen Teleprompter, wie viele an meiner Haltung entdeckt zu meinen haben. Sondern eine recht kleine Kamera, in deren Linse ich schauen sollte und dies auch leicht aufgeregt tat. Nein, ich habe niemandem nach dem Mund geredet. Die Fragen wurden zwei Tage vorher aus Berlin geemailt. Die Antworten standen mir frei und wurden nicht vorab mit den Verantwortlichem im BMG besprochen. Es wurde auch vom BMG nichts vorgeschlagen, was ich antworten soll. Die paar Fragen und Antworten bin ich einen Tag  vorher mit einer ehemaligen Kollegin am  Telefon durchgegangen. Das ist sicherlich legitim, wenn man sich bewusst irgendwo hinstellt und weiß, dass dann schon bald auch Tomaten und faule Eier fliegen. Ich durfte sagen was ich wollte, und das habe ich gesagt. Natürliche wurden Sätze gekürzt und nicht alles, was ich sagen wollte gesendet. Das ist üblich so, auch wenn ich es schade finde, dass der Teil, indem ich Praxismitarbeiter*Innen motiviere, trotz Erschöpfung weiter zu machen. Die Arbeit, die geleitet wird ist ermüdend, aber sinnvoll. Über ein Video eines Bundesministeriums bekommt man kaum noch Impfverweigerer und -zweifler motiviert. Dies können aber Praxen schaffen, die auch bei vielen Impfgegnern Vertrauen genießen. Und nein, ich habe niemals den Hippokratischen Eid gebrochen. Den kenn ich zwar recht gut, hab den aber nie geschworen, kann ihn also auch nicht brechen. Ich plane auch nicht den Eid des Hippokrates je zu schwören. Den Eid des Hippokrates schwört man schon lange nicht mehr. Sonst müsste ich ja u.a. alle meine Professorinnen und Professoren meinen Elten gleich achten und deren Söhne als meine Brüder ansehen. Das wären ganz schön viele Geburtstags- und Weihnachtskarten, die ich da wiederholt zu schreiben hätte. Und ja, ich bin wirklich Arzt und kein Schauspieler. Auch kein Postbote. Wievielen wäre geholfen, wenn auch nur ein Viertel der Energie, die von den Impfverweigerern verbraucht wird, in etwas Konstruktives gesteckt werden würde?! Es gibt so viel, was in den letzten 20 Jahren schief gelaufen ist im Gesundheitswesen. Nicht Impfungen sind das Problem. Die Probleme der Unter-, Über- und Fehlversorgung und auch der Fokus auf interventionelle und überspezialisierte High-End-Medizin, während es an der Basis bröckelt, machen mir Sorgen. Und diese Probleme verschwinden auch durch die Pandemie aus dem Blickwinkel und wird selbstverständlich von einigen Menschen ausgenutzt.

 

Praktikum: Wir freuen uns, dass der Medizinstudent Lennart Lemmermann ab dem 30. August 2021 für 4 Wochen eine Hospitation in unserer Praxis machen wird. Lennart studiert in Hannover, ist aber ursprünglich aus der Samtgemeinde Tarmstedt und viele werden ihn kennen. Beim Pfingstimpfwochenende war er hier bereits schon Teil des Teams. Den Praktikumsplatz hat sich Lennart selbst organisiert und das Praktikum erfolgt unabhängig von der sog. Landpartie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), an der wir als Landarztpraxis auch wiederholt teilgenommen haben. Durch die Praktika können Medizinstudent*Innen den Alltag in einer Landarztpraxis kennenlernen. Dies ist eine Möglichkeit, junge Mediziner*Innnen für die Arbeit auf dem Land zu begeistern und dem wachsenen Ärztemangel entgegenzuwirken. Lennart, herzlichen willkommen!