Herbst 2021 in der Samtgemeinde - Blick in die Kristallkugel mit Bauchnabelschau - update 25.07.2021

Was COVID-19 global bedeutet, ist schwierig zu verstehen. Bei der Bauchnabelschau wird es leichter. Am 08.07.2021 wurde im Epidemiologischen Bulletin beschrieben, inwieweit Impfungen und andere Maßnahmen die Situation in Deutschland beeinflussen. Wenn man sich diese Modelle ansieht und davon ausgeht, dass es unsere Region wie gewohnt leichter trifft, dann sieht die Lage für den Landkreis und die Samtgemeinde Tarmstedt bei hoher Gesamt-Impfquote recht gut aus.

 

Bei den >60-Jährigen haben wir in der Praxis eine Impfquote von >95% erreicht. Bei den <60-Jährigen sieht es schlechter aus. Diese Gruppe möchten wir im Sommer erreichen, bevor die Husterei wieder losgeht. Nur durch eine hohe Impfquote in allen Altersgruppen können wir auch den Kollateralschaden niedrig halten.

 

Bei schnell ansteigenden Infektionszahlen werden plötzlich viele Menschen gleichzeitig erkranken. Die meisten werden das Ganze recht gut überstehen, aber die Gesundheitsstrukturen stark belasten. Jeder Ungeimpfte hier mit Atemwegsinfekten z.B. macht sehr viel Arbeit und hält uns davon ab, kranke Menschen zu versorgen. Unser Tag hat 24 Stunden und wir haben uns schon vor der Pandemie nicht über zuwenig Arbeit beschwert. 

 

Jeder Ungeimpfte mit Atemwegsinfekt, Kopfschmerz und/oder Fieber führt neben der Belastung der Gesundheitsstrukturen auch zu Problemen am Arbeitsplatz und in der Familie. Menschen werden sich wieder in Qurantäne oder Isolation befinden, Lücken am Arbeitsplatz reißen auf, einhergehend mit Unsicherheit und Ängsten der Kolleg*Innen sowie die bekannten emotionalen Reaktionen. Kontaktpersonen können z.B. nicht zur Arbeit, nicht in den Kindergarten oder die Schule. Das wird wieder ein großes Kuddelmuddel, welches wir durch solidarisches Handeln deutlich abmildern können.

 

Es wird vermutlich ein paar schwerere bis schwere COVID-19-Einzelfälle geben. Und Long-COVID wird einigen jungen Menschen ordenltich zu schaffen machen. Im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich ein paar schlimme Verläufe gesehen, die dazu führten, dass Freunde und Bekannte ihre geliebte Arbeit aufgeben mussten. 

 

Wir werden in unserer Praxis auch diesen Herbst und Winter wieder versuchen am Sprechzimmerfenster abzustreichen. Herr Knoop und Mitarbeiter haben uns dankenswerterweise zugesagt, die Corona-Pagode (aka Corona-Zelt) vorerst stehen zu lassen, ohne Geld dafür zu verlangen. Die Initiative ging also von Mitgliedern der Gemeinde aus, die sich aktiv an der Pandemiebekämpfung beteiligen wollten. Danke! Wir werden also weitermachen, wie gewohnt.

 

Jede ungeimpfte erwachsene Person mit COVID-19-verdächtigen Symptomen muss wissen, dass sie mir das Arbeiten im nächsten Herbst und Winter deutlicher erschweren wird als eine geimpfte Person, u.a. da ungeimpfte ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben und somit mehr Betreuung benötigen.

 

Klicken Sie auf den blauen Link oben, um mehr über die Einschätzungen des Robert Koch-Instituts zu erfahren. Es lohnt sich die RKI-Veröffentlichungen zu lesen, die einen guten Blick auf die Gesamtsituation zu bekommen. Das Robert Koch-Institut gibt nüchtern eine Einschätzung und stellt regelmäßig den aktuellen Stand des Wissens dar. Das RKI braucht keine Klicks wie Artikel in online-Medien. Überschriften müssen keine Aufmerksamkeit erhaschen. usw. 

 

Bitte melden Sie sich für Impfungen an. Bitte lassen Sie uns wissen, wenn Sie extern via Arbeitgeber, Impfzentrum usw. bereits geimpft sind! Bitte lassen Sie uns auch wissen, falls Sie sich gegen eine COVID-19-Impfung entschieden haben. Bitte unterstützen Sie uns und erleichtern uns die Arbeit! Info über Ihren COVID-19-Impfstatus via SMS 0151-55874345, E-Mail: steiner-impfung@posteo.de.

 

Wir sind es gewohnt im Netz über unterschiedenlich Schutz durch Impfungen zu lesen. Aktuell bekommen wir wichtige Informationen aus Britannien und Israel, die aber häufig unvollständig präsentiert und diskutiert werden. Einige Menschen sind verunsichert über die Unterschiede zwischen Impfstoffen.

 

Immer wieder musste ich Patientinnen und Patienten darauf hinweisen, dass es nicht primär um eine sterile Immunität geht, sondern ob man schwer erkrankt.

 

Geimpfte spielen aktuell im Ausbruchsgeschehen keine große Rolle. Es heißt: "Wir haben eine Pandemie der Ungeimpften". Die Zahl der Ungeimpften nimmt im reichen Norden zusehends ab und stellt in Deutschland bereits eine Minderheit dar. Im Rest der Welt sieht dies aber anders aus.

 

Dass bei alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe ein guter Schutz gegen schwere Verläufe zu erwarten ist, kann man auf Seite 3 des oben erwähnten RKI-Bulletins nachlesen. Markiert habe ich die (zu?) häufig diskutierten Impfstoffe COMIRNATY = BioNTech und Vaxzevria = Astra-Zeneca.

 

Es ist unwahrscheinlich, dass jemand meiner doppelt geimpften Patientinnen und Patienten an COVID-19 versterben wird. Ausnahmen bestätigen die Regeln und diese werden dann verständlicherweise zu verschiedenen Reaktionen führen. Man muss diese traurigen Fälle dann aber im Verhältnis zu anderen Risiken des Alltags sehen.

 

 

 

 

Hier wird modelliert, wie sich die Impfquote auf die Inzidenz auswirken kann.

 

Die Inzidenz ist abhängig von vielen Faktoren. Maßnahmen wie Abstand halten,  Kontakte  reduzieren und mehr auf Hygiene achten, werden schon ab August vermutlich wieder an Wichtigkeit zunehmen. Die Zahlen steigen.

 

Wir alle wissen, dass die Inzidenz ihre Bedeutung verändert hat. Inwieweit die Inzididenz sich auf politische Entscheidung auswirkt, bleibt abzuwarten.

 

 

Hier wird modelliert, wie sich die Impfquote auf die Anzahl von Menschen auf Intensivstation auswirken könnte.

 

Das Szenario links oben stellt eine bekannte Situation dar. Dieses Szenario sollten wir vermeiden, es kann aber auch etwas Hoffnung geben. In unserer Region waren die Krankenhäuser ebenfalls sehr belastet, die Intensivstationen sind aber niemals übergelaufen. Somit würde dieses Szenario zwar Unannehmlichkeiten, viele Long-Covid-Patienten zwischen ca. 20-50 Jahre und einen weiteren großen Kollateralschaden bedeuten, aber insgesamt eine recht geringe Anzahl an COVID-19-Todesfällen in unserer Region.

 

 

Ich habe große Hoffnung, dass wir uns den Szenarien unten nähern. Dafür brauchen wir eine hohe Impfquote. Und die brauchen wir auch bei den <60-Jährigen! Deshalb machen wir mit unseren Aktionen weiter und motivieren alle, sich impfen zu lassen. Wir schützen uns durch Impfungen und damit und auch alle anderen. Wie es beim Gemeinschaftsschutz bekannt ist, werden auch die sog. Impfverweigerer und Zögerer mitgeschützt. Ich hoffe, dass die Zahl derer gering ist und die Gesellschaft diese Menschen somit mittragen kann.

 

Besonders hoffe ich für den Landkreis und die Samtgemeinde, dass die, die über die letzte Zeit am stärksten gebeutelt wurden, durch solidarisches Handeln der Menschen dieses Mal leichter durch den Herbst und Winter kommen.