Nebenwirkungen nach Pfingst-Impfwochenende

Die akuten Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Erschöpfung, Fieber und Frösteln müssten aktuell bei einigen auftreten. Paracetamol ist das Mittel der Wahl, Ibuprofen, ASS oder Novaminsulfon/Metamizol sind aber nicht verboten. Diese akuten Nebenwirkungen, die sich über mehrer Tage erstrecken können, sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Alles, was eine Wirkung hat, kann Nebenwirkungen machen. Je jünger die Menschen, desto eher akute Nebenwirkungen, da das Immunsystem jung ist und auf Hochtouren arbeitet die gewünschte Immunität zu generieren.

 

Über die seltenen, dann aber potenziell gravierenden Nebenwirkungen wie die viel diskutierte Sinusvenenthrombose habe ich Sie aufgeklärt. Diese schwere Nebenwirkung hat nur wenig mit Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien zu tun. Das Wort ist ähnlich, der Mechanismus ist ein anderer. Überspitzt gesagt, mal wieder ein leicht hinkender Vergleich: "Wenn Sie eine schwere Allergie gegen Wespen- oder Bienengift haben, dürfen Sie dennoch guten Gewissens beim Bäcker Bienenstich kaufen."

 

Die schweren akuten thrombotischen Nebenwirkunge treten nach Datenlage frühestens an Tag 4, spätestens an Tag 16 auf. Wenn die Statistik uns keinen Streich spielt, wird niemand hier in der Samtgemeinde betroffen sein. Es gibt viele Medikamenten, die wir täglich verschreiben mit schweren seltenen Nebenwirkungen. Die impfstoffassoziierten Nebenwirkungen sind aktuell verständlicherweise im Fokus und das Dramatische ist stets, dass es in den seltenen Fällen aktuell gesunde Menschen trifft.

 

Worauf müssen Sie achten? Muss jeder Kopfschmerz abgeklärt werden? Achten Sie auf dtl. Warnzeichen. Nicht jedes Schädelbrummen muss man als Warnzeichen werten. Sogenannte Ausschlussdiagnostik bei zu laxer Indikationsstellung kann auch zu Schädigungen wie Nebenwirkungen durch Diagnostik oder Überlastung von Gesundheitsstrukturen strukturen. Achten Sie auf deutliche Warnzeichen. Ein deutliches Warnzeichen wäre z.B. bei zuvor unauffälliger Situation ein plötzlicher massiver Kopfschmerz an Tag 10, der sich im Liegen noch verschlimmert, kombiniert mit neurologischen Ausfällen. So eine Situation würde vermutlich nicht zu einem Besuch beim Hausarzt führen, sondern einen Rettungsdiensteinsatz auslösen.

 

Ich persönlich glaube nicht, dass jemand, der vor dem Spiegel steht und überlegt, ob der Kopfschmerz jetzt ungewöhnlich stark ist, eine dieser seltenen Komplikationen hat. Ich hab mich bei Freunden, die in Berlin zu den Themen forschen gewandt, ob die seltenen Fälle der Komplikation nicht nahezu alle so dramatisch waren, dass gar kein Hausarzt mehr zwischengeschaltet war.

 

Es bleibt dabei: Das Virus und die Erkrankung sowie die gesellschaftlichen Kollateralschäden sind die Probleme, nicht die Impfung. Die Impfung ist eine sehr wichtige Säule im Ausbruchsmanagement.

 

Die STIKO-Empfehlung vorzugsweise Menschen unter 60 mit einem mRNA-Impfstoff zu impfen, ist sicherlich korrekt. Vorzugsweise. Hätte ich meinen Kühlschrank voller mRNA-Impfstoff, wäre die Sache klar. Bei aktuell aber weiterhin nur 12 Dosen pro Woche, kommen wir nicht weit. Zu warten, bis wir ausreichend Impfstoff haben, kann nach hinten losgehen, da Menschen weiterhin dem Risiko einer COVID-19-Erkrankung ausgesetzt sind mit enorm höherer Komplikationsrate. Wir Hausärzte bekommen aktuell 12 (zwölf) Dosen COMIRNATY (von BioNTech) pro Woche für unsere Patienten. Arbeitsmediziner bekommen bis zu 608 (sechshunderacht) Dosen COMIRNATY pro Woche. Politik und Wirtschaft stehen sich wohl auch in der Pandemie bei.

 

Wir wollen möglichst viele Menschen schützen. Es geht neben den Individualmedizin auch um die Gesellschaft. Verschiedene Staaten gewichten dies unterschiedlich. Die Gewichtung und Wahrnehmung hat u.a. auch mit der Geschichte eines Landes zu tun. Insgesamt bleibt es dabei: Diese Pandemie muss so schnell es geht zurückgedrängt werden. Prozentual wird hier in Deutschland bei fortschreitender Durchimpfung der Risikogruppen der Kollateralschaden der Pandemie immer größer. Nutzen wir weiterhin den Sommer den Gemeinschaftsschutz auszuweiten, sodass auch bei zu erwartenden weiteren COVID-19 Fällen im Herbst 2021 diese im Vergleich zu anderen Risiken des Lebens nicht mehr stark ins Gewicht fallen. Die große direkt COVID-19 betreffende Katastrophe wird hier nicht mehr kommen. Die indirekten Folgen sind nicht abzuschätzen, das wird die Zukunft zeigen. Bzgl. COVID-19 hier vor Ort: es wird besser!