Paradox am Ende des Tunnels

Es freut mich, dass die Impfzahlen steigen und bereits ein hohes Niveau erreicht haben. Wir sehen also das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels.

 

Bitte jetzt aber nicht gleich mit 20 Leuten sämtliche Holzkohlegrills im Wohnzimmer anwerfen, hanseatisches und mexikanisches Bier in die Hand nehmen und kräftig zusammen hüpfen - ansonsten qualmt alles voll am Ende des Tunnel und wir wissen nicht, ob der Kopfschmerz von COVID-19, dem Bier, dem Rauch oder der Tunneldecke kommt - und wir uns damit ein weiteres Stück Tunnel dazu verdienen. Am Ende des Tunnels ist es paradoxerweise noch weit zu gehen. Dies sollte man so entspannt wie möglich tun.

 

Insgesamt spricht vieles dafür, dass es besser wird. Passen wir auf, dass wir das nicht verspielen. Jeder kennt die Bilder von Olympia und der Tour de France, in denen Menschen auf der Zielgerade vergeigt haben. Let's walk (!) the last mile, Crowdsurfing, Headbanging und Stagediving müssen noch etwas warten.

 

In den Infektionszahlen steht die Samtgemeinde Tarmstedt seit Wochen sehr gut da, und somit befinden wir uns als Schlusslicht ganz vorne. Irgendwie vieles paradox in letzter Zeit.

 

Meine Mitarbeiterinnen leisten Großartiges in dieser anstregenden Zeit, kümmern sich um unsere Patientinnen und Patienten sowie aktuell zusätzlich um viele Patienten der Praxis, die wir  verteten, stehen ständig in der Schusslinie, trennen Wichtiges von weniger Wichtigem, teilen nach Dringlichkeiten ein, sind enorm flexibel, halten mir den Rücken frei, sollen allen gerecht werden, opfern ihre Freizeit - und bekommen dafür bei Google eine schlechte Bewertung. PARADOX!

 

Nächste Woche bekommen wir erstmalig etwas mehr Impfstoff, aber noch nicht ganz 100 Dosen. Meine Mitarbeiterinnen organisieren wie immer die Abläufe und führen Impfungen durch. Die Alte Garde aus Bremen steht bereit und wir hoffen, dass die Regenwolken sich nächste Woche zurückziehen, was unsere Abläufe verbessern würde. Lisa, unsere Schnelltest-getestete und Impfstoff-geimpfte Grazer Charité-Studentin aus Berlin (noch so ein Paradoxon) kommt zum dritten Mal während der Pandemie nach Tarmstedt und wird uns wieder unterstützen. Mein Poltern in der Zeitung hat gewirkt, die Menge an blockierenden Anrufen hat deutlich abgenommen, was jetzt bitte nicht heißen soll, dass alle direkt den Hörer in die Hand nehmen. Wir rufen weiter die Menschen an, bitte weiter zentral in Zeven und ggf. Rotenburg und Bremervörde anmelden - wir stehen weiter in direkter Konkurrenz, denn nur gemeinsam bekommen wir das hin - ein weiteres Paradoxon.

 

Ich freu mich auf den Spätherbst - in der Hoffnung mal wieder etwas Zeit zum Lesen zu haben. So geh ich dann einen meiner Neujahrsvorsätze paradoxerweise kurz vor Silvester an.


Viel Paradoxes aktuell. 


Wie fragte und sagte mein alter Deutschlehrer früher häufig "Was ist paradox?" - "Paradox ist, wenn das Goethe-Denkmal durch die Bäume schillert."

 

Guten Start ins Wochenende!

Munter bleiben!