Schnelltests, Masernimpfungen, Impfberechtigung und Probleme unseres Gesundheitssystems

Bei uns wird es vorerst keine Schnelltestungen für gesunde Menschen geben. (Artikel suggerieren häufig, dass dies durch Hausärzte erfolgt, man ein Anrecht darauf hat. Die Wahrheit ist, dass wir Hausarztpraxen dies neben Apotheken und anderen Stellen anbieten dürfen, es ist aber nichts Teil unserer kassenärztlichen Aufgabe). Der Aufwand-Nutzen steht in keinem sinnvollen Verhältnis für unsere kleine Hausarztpraxis. Wenn wir uns jetzt hauptsächlich mit Schnelltests für Niedrigrisikokandidaten befassen, wird der Kollateralschaden durch eingeschränkte Versorgung der akut Erkrankten den Nutzen übersteigen. Außerdem möchte ich Valenzen haben für Tests symptomatischer Patienten im Falle eines erneuten Anstiegs sowie für den hoffentlich baldigen Impfstart in der Praxis. Das soll nichts heißen, dass ich es falsch finde, wenn Praxen diese Abstriche anbieten. Für unsere Praxis aber halte ich es nicht für sinnvoll, dies im großen Stil zu tun. Massenscreenings gehören meines Erachtens nicht in eine Hausarztpraxis, sondern dafür müssen alternative Strukturen geschaffen werden. Knapp gesagt: ein bisschen Asymptomatische ohne Risikokontakte zu testen beim Hausarzt wird wenig Effekt zeigen. So viel testen beim Hausarzt, dass es einen signifikanten Effekt zeigt im Ausbruchsmanagement ist nicht zu leisten. 

 

Man sollte sich auf die klassischen Säulen des Ausbruchsmanagement konzentrieren. Noch immer lassen sich immer wieder symptomatische Patienten nicht testen und kommen erst nach einer Woche, weil der Husten nicht besser wird. Wir müssen kommunizieren, dass man sich rasch bei Symptomen meldet und nicht erst Tage abwarten. Auf diese Fälle möchte ich mich konzentrieren. Des Weiteren muss die Impfung intensiviert werden, z.B auch am Wochenende. 

 

Aber auch aus den Ereignissen der letzten Wochen werden wir lernen und bei einem möglichen weiteren Ausbruch irgendwann in der Zukunft besser vorbeireitet sein. Nach Corona wird es dann heissen „Nach der Pandemie ist vor der Pandemie.“ Mögen wir dann besser aufgestellt sein und nicht den Fehler begehen, uns nur auf den letzten Ausbruch vorzubereiten, sondern offen für Neues sein. Das nächste Mal wird alles anders sein. Expect the unexpected. Wir werden sehen. 

 

PS sicherlich wahrscheinlicher als eine baldige Belastung durch eine neue Pandemie sind die bekannten Probleme in unserem Gesundheitssystem wie Über-, Unter- und Fehlversorgung, Finanzdruck der Krankenhäuser, wodurch invasive Vorgehen gefördert werden und jungen Ärztinnen und Ärzten somit die Chance genommen wird zu sehen, wie häufig ein beobachtendes Abwarten der richtige Weg ist, fragwürdige Regeln bzgl. Patientenversorgung und -Abrechnung im ambulanten Sektor sowie das weiterhin Masse statt Klasse belohnt wird, sowie die Demotivation engagierter Mitarbeiter*Innen im Gesundheitswesen durch häufig fehlendem Sinn und Machbarkeitsanalysen von umzusetzenden Vorschriften und Maßnahmen und oft unzumutbaren Arbeitsbedingungen.  

 

 

Wir freuen uns, dass Paul S., Medizinstudent aus München, im März 2021 sein vierwöchiges Praktikum bei uns absolviert. Er ist zwei mal gegen COVID-19 geimpft. Trotz niedriger Fallzahlen und Impfung des Teams halten wir unsere strengen Hygienemaßnahmen aufrecht. Sollte wir Hausarztpraxen noch diesen Monat mit dem Impfen beginnen, wie es jetzt auch in Berlin geplant ist, wäre er eine große Hilfe. 

 

https://www.kbv.de/media/sp/Schaubild_Corona_Impfgruppen_Ansicht.pdf

 

Impfzertifikate für Risikogruppen

Gehören Sie der Risikogruppe 2 oder 3 an (bitte unter o.g. Link nachlesen) und sind nicht automatisch durch Ihr Alter  (über 70 bei Priorisierungsgruppe 2 bzw. über 60 bei Priorisierungsgruppe 3) in der entsprechenden Gruppe, dann können Sie bei uns in der Praxis ein Zertifikat bestellen/abholen.  

 

Bei Erkrankungen sind wir zuständig. 

Bei beruflichem Anspruch Ihr Arbeitgeber. 

Bei Alter reicht Ihr Personalausweis. 

 

Masern-Impfungen:

 

Schüler*Innen, Lehrer*Innen, Mitarbeiter*Innen in Einrichtungen für Asylsuchende, Praxen, Kliniken u.a., die nach dem 31.12.1970 geboren sind (also alle 50 Jährigen und jünger), müssen ZWEI Masernimpfungen nachweisen. 

 

Ab 01.08.2021 drohen bei Masernimpf-Verweigerung bis zu 2500 Euro Bußgeld. 

Auch hier gibt es sicherlich Spielräume. Schauen Sie bei sich und ggf. Ihren Kindern nach, ob alles vollständig ist. 

 

Details: 

https://www.nlga.niedersachsen.de/download/151985/Umsetzung_des_Masernschutzgesetzes_Merkblatt_fuer_Kindergemeinschaftseinrichtungen_gemaess_33_Infektionsschutzgesetz_IfSG_.pdf

In den letzten drei Jahren haben wir in unserer Praxis über 250 junge Menschen gegen Masern geimpft bei fehlendem oder inkomplettem Schutz. Bei Erstimpfung im Erwachsenenalter reichte entsprechend STIKO eine einzige Gabe. Das hatte ich so auch kommuniziert. Jetzt brauchen die nur 1 x MMR-geimpften Erwachsenen Lehrer*Innen etc. doch noch die zweite Gabe, um Impflücken zu schließen.

(Es ist bei der sog. Lebendimpfung keine Auffrischung, sondern die zweite Gabe ist für sog. Impfversager, die es bei vielen Impfungen gibt. So erreichen wir ca. 98% Impfschutz, der nötig ist, um große Ausbrüche bei den hochansteckenden Masern zu verhindern)

 

Es lohnt sich jetzt nachzusehen und nicht erst im Sommer, wenn in sog. sozialen Medien und der allg. Presse ggf. ein paar Tage mehr über Masern als über Corona geschrieben wird:

1.) je früher hoher Schutz besteht, desto besser

2.) Bedenken Sie die noch empfohlenen Abstände zur COVID-19-Impfung! Überschneidungen könnten Abläufe erschweren. Bei den riesigen logistischen Herausforderung in den nächsten Monaten sollte es so glatt wie möglich laufen.  (Ob ein Abstand bei nicht-Vektor-COVID-19-Impfungen zu anderen Impfungen überhaupt nötig ist, ist sehr fraglich. Es wird aber verständlicherweise so gehandhabt, weil aussagekräftige Daten fehlen und man auf Nummer Sicher geht.

3.) Vermeiden Sie Hektik Ende Juli 2021, wenn die Info noch einmal durch Kindergärten, Schulen, Presse und sog. soziale Medien geht und dann viele ganz schnell einen Termin brauchen, weil eine MMR-Impfung fehlt oder Impfpässe nicht aufzufinden sind.)

 

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Für die Covid-19-Impfung brauchen Sie Ihren Impfpass.

Wie Waschmaschinen Socken fressen, scheinen Umzugskartons Impfpässe zu schlucken. 

Bitte machen Sie sich jetzt auf die Suche. 

 

Viele Impfpässe liegen noch bei uns in der Praxis. Bitte abholen. 

 

So vermeiden wir einen plötzlichen Andrang, wenn irgendwann mal im großen Stil geimpft wird.